Petra Sarke: Mitarbeiterführung im Eventservice – Wie aus 30 Fremden ein funktionierendes Team wird
Die Halle ist kalt, das Licht ist noch das von der Nachtwache, irgendwo läuft ein Radio. Dreissig Leute stehen mit Kaffeebechern da, viele haben noch nie zusammengearbeitet. Bis zum Abend muss hier eine Bühne stehen, auf der jemand auftritt. Petra Sarke, Geschäftsführerin der rmp eventservice gmbh aus Basel, erlebt diesen Moment mehrmals im Monat: beim Auf- und Abbau von Bühnen und Veranstaltungstechnik für Konzerte und Festivals in der Schweiz und in Europa genauso wie beim Aufbau von Messeständen in Basel und Zürich. Ihre Stagehands, ihre Showcrew und der Backstage Support bei Live-Produktionen haben ebenso wenig Zeit, sich aufeinander einzuspielen, wie ihre Messemonteure beim Aufbau eines Messestands. Ein Gespräch darüber, was in diesen ersten Stunden tatsächlich passiert und wer am Ende eines langen Tages wem zuhört.
STILPUNKTE: Frau Sarke, wie schaffen Sie es in den ersten kritischen Stunden, ohne formelle Hierarchie sofort Sicherheit und Vertrauen aufzubauen?
Petra Sarke: Indem ich als Erstes rumgehe und jedem die Hand gebe. Nicht als Geste, sondern weil ich den Namen hören will. Wer schon zwanzig Mal als Stagehand für uns dabei war, kriegt das Gleiche wie der, der heute zum ersten Mal auf einem Festivalgelände steht.
Jeder Einzelne weiss vor dem ersten Handgriff drei Dinge: Wen er fragt, was sein Job ist und wann Pause gemacht wird. Der dritte Punkt wird unterschätzt. Leute, die nicht wissen, wann sie das nächste Mal etwas essen, arbeiten anders – unruhiger, schneller, unaufmerksamer.
Und ich sage jedem: Du darfst fragen. Auch zweimal. Eine Frage kostet mich dreissig Sekunden, ein Fehler aus Angst kostet mich den halben Vormittag, im schlimmsten Fall sogar mehr. Im Eventservice arbeiten viele Menschen nur ein paar Tage miteinander. Da kann ich mir niemanden leisten, der schweigt, weil er denkt, er blamiert sich.
STILPUNKTE: Wie wird in Ihrem Team entschieden, wenn Uneinigkeit herrscht, aber kein klassischer „Chef“ das letzte Wort spricht?
Petra Sarke: Es entscheidet der, der die Hände dran hat. Wenn zwei beim Bühnenaufbau an einer Traverse stehen und einer sagt, das hält, und der andere sagt, das hält nicht, dann gehen wir den sichereren Weg. Immer. Auch wenn er zwei Stunden kostet und der Kunde schon auf dem Gelände ist. Beim Auf- und Abbau gilt das genauso wie mitten in der Show.
Ich habe in all den Jahren noch niemanden dafür kritisiert, dass er zu vorsichtig war. Umgekehrt schon. Diskutiert wird vorher oder nachher, nie in der Sekunde, in der jemand unter einer Last steht.
Was mir genauso wichtig ist: Wir gehen das hinterher nochmal durch. Nicht in einer Sitzung, sondern beim Abbau oder im Auto auf dem Heimweg. War das richtig? Was machen wir das nächste Mal anders? Ich muss dabei nicht recht behalten. Ich will, dass alle heil nach Hause kommen und wir beim nächsten Mal schneller wissen, woran wir sind.
STILPUNKTE: Wie steuern Sie die Balance zwischen maximaler Agilität und klarer Verantwortung im Eventservice?
Petra Sarke: Ich sage, was um sechs stehen muss – die Bühne, die Veranstaltungstechnik, die Backstage-Infrastruktur. Ich sage nicht, mit welchem Handgriff. Das ist keine Floskel, sondern der einzige Weg, wie jemand besser wird: Man muss ihn machen lassen und aushalten, dass er es anders macht, als man selbst es getan hätte.
Gleichzeitig will ich keine Leute, die nur auf ihre eigene Ecke schauen. Wenn einer ein Kabel quer über einem Fluchtweg liegen sieht, dann legt er es weg. Nicht weil es sein Gewerk ist – es ist nicht sein Gewerk –, sondern weil er es gesehen hat. Dieses Mitdenken ist mir mehr wert als jede abgehakte Liste. Verantwortung ist bei uns nichts Bürokratisches. Sie heisst: Jeder weiss, wen er fragen kann. Und jeder weiss, dass er selbst gefragt wird.
STILPUNKTE: Welche Mechanismen nutzen Sie, um aufkommende Konflikte in Echtzeit zu deeskalieren?
Petra Sarke: In Stunde elf eines Messeaufbaus wird jemand laut wegen einer Schraube. Es geht nie um die Schraube. Es geht darum, dass er müde ist, seit vier Stunden nichts getrunken hat oder das Gefühl hat, dass seine Arbeit niemandem auffällt.
Also schaue ich zuerst auf den Menschen. Ich nehme die beiden kurz auseinander, nicht vor der Crew. Manchmal reicht es, jemandem für zwanzig Minuten eine andere Aufgabe zu geben. Sehr oft reicht Essen.
Kritik gehört unter vier Augen. Ein Lob darf laut sein, vor allen. Und wenn es wirklich eng ist, spreche ich das aus, statt es wegzulächeln: Ich weiss, dass wir alle am Limit sind, lasst es uns jetzt sauber zu Ende bringen. Dass einer ausspricht, wie hart es gerade ist, hilft mehr als jedes Beschwichtigen. Genau das ist der Teamzusammenhalt, von dem am Ende alles abhängt.
STILPUNKTE: Wie wird Führung in Ihren Teams organisch und situativ vergeben?
Petra Sarke: Das sieht man, wenn es heikel wird. Beim Bühnenumbau zwischen zwei Acts oder wenn beim Abbau die Veranstaltungstechnik schneller runter muss als geplant, dreht sich die Crew von allein zu einem bestimmten Menschen um und das ist fast nie der mit dem Funkgerät oder der Position. Es ist der, der ruhig bleibt und weiss, was als Nächstes passieren muss.
Meine Aufgabe ist in dem Moment, den Mund zu halten und ihm den Rücken freizuhalten. Damit dabei kein Loch entsteht, hat immer jemand den Gesamtüberblick. Aber wer in der einzelnen Situation vorne steht, das entscheidet nicht der Organigrammkasten. Das fängt lange vorher an, nämlich bei der Personalauswahl. Ich schaue mir bei jedem Einsatz an, wer wem zuhört. Das sagt mir über eine Crew mehr als jede Liste, die ich vorher geschrieben habe.
Häufig gestellte Fragen
Wie baut Petra Sarke sofort Vertrauen im Eventteam auf?
Petra Sarke baut Vertrauen auf, indem sie jeden persönlich begrüßt und Namen hört. Sie behandelt erfahrene Stagehands und neue Leute gleich. Vor dem ersten Handgriff klärt sie, wen man fragt, was die Aufgabe ist und wann Pause gemacht wird.
Wer entscheidet bei Uneinigkeit im rmp eventservice?
Bei Uneinigkeit entscheidet im rmp eventservice der, der die Hände dran hat. Sarke wählt konsequent den sichereren Weg, auch wenn er zwei Stunden kostet. Beim Bühnenaufbau gilt das genauso wie mitten in der Show, wenn Lasten im Spiel sind.
Warum sind Pausen im Eventservice so wichtig?
Pausen sind im Eventservice entscheidend, weil fehlendes Essen und Trinken Menschen unruhig und unaufmerksam machen. Sarke sagt jedem vorab, wann die nächste Pause kommt. So sinkt das Risiko für Fehler, besonders bei kurzen Einsätzen mit wechselnden Teams.
Wie deeskaliert Petra Sarke Konflikte während eines Messeaufbaus?
Petra Sarke deeskaliert Konflikte, indem sie zuerst auf Müdigkeit, Durst und Überlastung schaut. Sie trennt Streitende kurz, gibt notfalls eine andere Aufgabe und setzt Essen ein. Kritik bleibt unter vier Augen, Lob darf vor der ganzen Crew laut sein.
Welche Rolle spielt Mitdenken bei rmp eventservice?
Mitdenken zählt bei rmp eventservice mehr als starre Zuständigkeiten. Wer ein Kabel über einem Fluchtweg sieht, räumt es weg, auch wenn es nicht sein Gewerk ist. Sarke erwartet, dass jeder weiß, wen er fragen kann und selbst ansprechbar bleibt.
Woran erkennt Petra Sarke natürliche Führung in der Crew?
Natürliche Führung erkennt Petra Sarke daran, wer in heiklen Momenten ruhig bleibt und den nächsten Schritt kennt. Beim Bühnenumbau oder Abbau dreht sich die Crew oft von selbst zu dieser Person. Entscheidend ist für sie auch, wer wem zuhört.
Petra Sarke
Inhaberin rmp eventservice gmbhKurzbeschreibung über Petra Sarke
Petra Sarke ist Unternehmerin und Gründerin der RMP Eventservice GmbH. Seit 2016 führt sie operative Crews hinter großen Live-Produktionen in der Schweiz und Europa. Mit kaufmännischem Hintergrund, klarer Haltung und ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein steht sie für eine neue Form von Leadership – nah an den Menschen und den „Invisible Heroes“ hinter der Bühne
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