Stephan Lay: Echtholzfurniere, traditionelles Handwerk und Nachhaltigkeit – Schreinerei Mathy Waldesch
In einer Zeit, in der vieles schnell produziert und ebenso schnell ersetzt wird, wächst als Gegenbewegung die Sehnsucht nach Beständigkeit. Hochwertige Materialien, traditionelle Handwerkstechniken und nachhaltige Möbel erleben deshalb eine neue Wertschätzung – nicht aus Nostalgie, sondern weil sie zeitlose Qualität mit modernem Design verbinden. Die Schreinerei Mathy aus Waldesch verbindet klassisches Schreinerhandwerk mit innovativer Planung und zeigt, dass traditionelle Fertigungstechniken heute aktueller sind denn je. Ob edle Echtholzfurniere, sorgfältig ausgewählte Holzarten oder langlebige Möbel nach Maß – jedes Projekt entsteht mit Respekt vor dem Material und einem hohen Anspruch an Gestaltung und Nachhaltigkeit.
STILPUNKTE: Wertschätzung, Rückbesinnung oder Interesse – weshalb erleben traditionelle Handwerkstechniken aktuell einen derart starken Auftrieb?
Stephan Lay: Traditionelle Handwerkstechniken stehen für Beständigkeit und Bewährtes – etwas, das in dieser schnelllebigen Welt verloren gegangen ist. Sie verkörpern Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde und sich über viele Jahrzehnte bewährt hat. Dabei geht es keineswegs darum, die Vergangenheit zu romantisieren. Vielmehr erkennen viele Menschen heute wieder den Wert von handwerklicher Präzision, hochwertigen Materialien und sorgfältiger Verarbeitung. Hinzu kommt das gestiegene Bewusstsein für Langlebigkeit. Wer ein Möbelstück über viele Jahre oder sogar Generationen hinweg nutzt, entscheidet sich automatisch gegen eine Wegwerfmentalität. Und genau hier setzt traditionelles Schreinerhandwerk an. Es schafft langlebige Lösungen, die repariert, gepflegt und oftmals sogar an die nächste Generation weitergegeben werden können.
Das ist keine Rückkehr zu alten Zeiten, sondern eine neue Form der Wertschätzung. Eine Form von back to the roots – und Abkehr von Masse, Mainstream und industrieller Fertigung.
STILPUNKTE: Was macht für Sie den Reiz, die Faszination alter Techniken aus und welche nutzen Sie heute noch?
Stephan Lay: Mich fasziniert vor allem, dass viele traditionelle Techniken nicht deshalb entstanden sind, weil sie besonders aufwendig waren, sondern weil sie zu ihrer Zeit die beste handwerkliche Lösung darstellten. Früher musste jedes Detail funktionieren. Materialien waren kostbar, Ressourcen begrenzt und Möbel sollten möglichst viele Jahrzehnte überdauern. Daraus entwickelte sich ein enormes handwerkliches Wissen, das bis heute nichts von seinem Wert verloren hat. Klassische Holzverbindungen, sorgfältige Furnierarbeiten, präzise Oberflächenbearbeitung oder das bewusste Arbeiten mit der natürlichen Maserung eines Holzes gehören für uns selbstverständlich zu unserem Alltag. Sie verleihen einem Möbel nicht nur Stabilität, sondern auch seine besondere Ausstrahlung.
Mein persönlicher Favorit ist hierbei das Furnieren mit alter Furniernähmaschine und Furniersäge. Hiermit lässt sich eine fließende, einzigartige Oberfläche erarbeiten, die nicht nur gut aussieht und Wärme ausstrahlt, sondern sich vor allem sehr gut anfasst.
STILPUNKTE: Was könnten moderne Möbelhersteller vom klassischen Schreinerhandwerk lernen?
Stephan Lay: Naturgemäß werden industrielle Möbelstücke für eine möglichst große Zielgruppe entwickelt und hergestellt, dennoch fehlt das gewisse Etwas, die Individualität. Ein Anreiz sollte es sein, trotz vielleicht schwieriger Voraussetzungen eine gute Lösung zu präsentieren und eventuell über Exzellenz und Einzigartigkeit nachzudenken – nicht Masse, sondern Klasse!
Vielleicht könnte bei der industriellen Produktion noch stärker der Gedanke der Langlebigkeit in den Mittelpunkt gestellt werden. Ein Möbelstück sollte nicht für wenige Jahre entworfen werden, sondern möglichst viele Lebensphasen begleiten können. Reparaturfähigkeit, hochwertige Materialien und zeitloses Design gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Das klassische Schreinerhandwerk zeigt außerdem, wie wichtig Liebe zum Detail ist. Oft sind es die kleinen Dinge – eine sauber gearbeitete Kante, eine harmonische Proportion oder eine perfekt abgestimmte Oberfläche –, die aus einem guten Möbel ein außergewöhnliches Möbel machen.
STILPUNKTE: Wie lassen sich Tradition und moderne Gestaltung verbinden?
Stephan Lay: Viele Menschen verbinden traditionelles Schreinerhandwerk noch immer mit schweren Schränken, aufwendigen Verzierungen oder einem eher klassischen Einrichtungsstil. Dabei hat das eine mit dem anderen eigentlich wenig zu tun. Tradition bedeutet für uns nicht, historische Möbel zu kopieren. Tradition bedeutet, bewährte handwerkliche Techniken und hochwertiges Material in eine zeitgemäße Formensprache zu übersetzen. Und gerade diese Verbindung macht unsere Arbeit so spannend. Wir können heute Möbel entwickeln, die sich durch klare Linien, reduzierte Gestaltung und moderne Architektur auszeichnen und gleichzeitig nach denselben Qualitätsmaßstäben gefertigt werden wie ein Möbelstück vor vielen Jahrzehnten.
Ein gutes Beispiel sind hochwertige Echtholzoberflächen. Sie bringen Wärme, Natürlichkeit und Charakter in einen Raum, wirken heute aber oft bewusst puristisch. Das Holz steht im Mittelpunkt – nicht als dekoratives Element, sondern als lebendiger Werkstoff mit eigener Ausstrahlung.
Auch moderne Technik unterstützt diesen Anspruch. Digitale Planung, präzise Fertigung und innovative Beschläge eröffnen Möglichkeiten, die frühere Generationen noch nicht hatten. Das handwerkliche Fundament bleibt jedoch unverändert. Sorgfalt, Präzision und Erfahrung entscheiden nach wie vor darüber, ob ein Möbelstück auch nach vielen Jahren noch Freude bereitet.
STILPUNKTE: Auch Reparaturen oder Restaurierungen werden immer mehr ein Thema – was ist hier der Hintergrund?
Stephan Lay: Mit unserem Standort in der kleinen Ortsgemeinde Waldesch, idyllisch gelegen, wo sich die nördlichen Ausläufer des Hunsrück in das Rhein-Mosel-Dreieck hineinschieben, sind wir hier automatisch auch der Dorfschreiner und werden zu vielen Reparaturen gerufen. Und wir beobachten tatsächlich, dass viele Menschen ihre vorhandenen Möbel heute mit anderen Augen betrachten als noch vor einigen Jahren. Früher wurde ein beschädigtes Möbelstück häufig ersetzt. Heute wächst das Bewusstsein dafür, welchen Wert hochwertige Verarbeitung und gutes Material besitzen. Wegwerfen kommt nicht mehr infrage, stattdessen werden diese behutsam repariert, restauriert oder auch einfach an heutige Wohnansprüche angepasst.
Natürlich steckt auch oft eine Erinnerung oder emotionale Bindung an einem derart guten Stück. Dabei geht es keineswegs nur um Nostalgie. Viele ältere Möbel wurden aus hervorragenden Hölzern gefertigt und verfügen über eine handwerkliche Qualität, die sich hervorragend erhalten lässt. Mit fachgerechten Reparaturen, einer neuen Oberfläche oder kleinen konstruktiven Anpassungen entstehen daraus Möbel, die wieder viele Jahre genutzt werden können. Auch uns ist es ein großes Anliegen, diese Stücke nicht einer Wegwerfgesellschaft zum Fraß vorzuwerfen – denn wer Bestehendes erhält, spart Ressourcen und bewahrt gleichzeitig handwerkliche Werte. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gewinnt dieser Gedanke zunehmend an Bedeutung – und passt auch sehr gut zu unserem Verständnis von Qualität.
STILPUNKTE: Gibt es Holzarten, die sich besser für traditionelle Handwerktechniken eignen als andere?
Stephan Lay: Grundsätzlich besitzt jede Holzart ihre ganz eigenen Eigenschaften und damit auch ihren besonderen Reiz. Entscheidend ist weniger die Frage, welches Holz das ‚beste‘ ist, sondern welches Material am besten zur jeweiligen Aufgabe passt. Für klassische Schreinerarbeiten werden seit Jahrhunderten Hölzer wie Eiche, Nussbaum, Esche, Ahorn oder Kirschbaum geschätzt. Sie zeichnen sich durch ihre Stabilität, ihre natürliche Schönheit und ihre hervorragenden Verarbeitungseigenschaften aus. Gleichzeitig entwickelt jede Holzart im Laufe der Jahre ihren ganz eigenen Charakter – sei es durch die Maserung, den Farbton oder die Art, wie sie auf Licht reagiert. Gerade bei traditionellen Techniken spielt dieses Wissen eine wichtige Rolle. Holz arbeitet, verändert sich mit der Luftfeuchtigkeit und besitzt unterschiedliche Spannungen. Wer diese Eigenschaften versteht und berücksichtigt, schafft Möbel, die auch nach Jahrzehnten noch stabil und schön bleiben.
Unsere Aufgabe besteht darin, diese Besonderheiten sichtbar zu machen und sie sinnvoll in die Gestaltung einzubeziehen. Am Ende entscheidet nämlich nicht allein die Holzart über die Qualität eines Möbelstücks. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus dem richtigen Material, sorgfältiger Planung und handwerklicher Erfahrung.
STILPUNKTE: Was macht Möbelstücke aus Holz, in klassischer Handwerkstradition gefertigt, so einzigartig?
Stephan Lay: Vielleicht ist es die Ehrlichkeit, die man ihnen ansieht. Ein handwerklich gefertigtes Möbelstück muss sich nicht hinter Trends oder Effekten verstecken. Es lebt von seinen Proportionen, seiner Verarbeitung und von einem Material, das die Natur über viele Jahrzehnte hat wachsen lassen. Denn Holz besitzt Eigenschaften, die kein anderer Werkstoff in dieser Form vereint. Es strahlt Wärme aus, entwickelt mit der Zeit eine wunderschöne Patina und verändert sich auf ganz natürliche Weise. Genau das macht jedes Möbelstück einzigartig. Kein Ast, keine Maserung und keine Farbnuance gleicht der anderen. Im Gegensatz zur industriellen Fertigung verarbeiten wir auch Holzarten und Strukturen, die man nicht so häufig sieht, die in der Masse nicht gebräuchlich sind. Einzigartige Oberflächen, die nicht nur gut aussehen und eine ganz besondere Ausstrahlung besitzen, sondern auch haptisch überzeugen, sind das unverwechselbare Ergebnis.
Hinzu kommt die handwerkliche Fertigung. Im klassischen Schreinerhandwerk entstehen Möbel nicht im Minutentakt, sondern Schritt für Schritt. Jeder Arbeitsschritt baut auf dem vorherigen auf. Es wird angepasst, geprüft, verfeinert und manchmal auch noch einmal neu gedacht. Diese Sorgfalt sieht man dem fertigen Möbelstück später an – oft sogar, ohne genau benennen zu können, woran es liegt.
STILPUNKTE: Was hat es mit Echtholz-Furnieren auf sich und sind diese auch nachhaltig?
Stephan Lay: Beim Begriff Furnier begegnen wir immer wieder einem Missverständnis. Viele verbinden damit automatisch einfache Möbel oder minderwertige Qualität. Tatsächlich ist hochwertiges Echtholzfurnier jedoch eine der anspruchsvollsten und traditionsreichsten Techniken des Möbelbaus. Ein Furnier besteht aus einer hauchdünnen Schicht echten Holzes. Diese wird mit großer Präzision aus einem Stamm geschnitten oder gemessert und anschließend auf eine geeignete Trägerplatte aufgebracht. Das Besondere daran: Die natürliche Maserung, die Farbe und die gesamte Ausstrahlung des Holzes bleiben vollständig erhalten. Optisch und haptisch erlebt man echtes Holz – mit all seinen charakteristischen Eigenschaften.
Gerade unter dem Gesichtspunkt der Langlebigkeit besitzt diese Technik enorme Vorteile. Aus einem einzigen Baum lassen sich deutlich mehr hochwertige Oberflächen gewinnen als bei einer massiven Verarbeitung. Das bedeutet, dass wertvolle Hölzer besonders ressourcenschonend eingesetzt werden können, ohne auf ihre natürliche Schönheit verzichten zu müssen.
STILPUNKTE: Was sind die Vorteile von furnierten Möbelstücken – und lässt sich hierfür jedes Holz verwenden?
Stephan Lay: Furnierte Möbel vereinen gleich mehrere Vorteile. Sie bieten die natürliche Schönheit echten Holzes, ermöglichen außergewöhnliche Gestaltungsmöglichkeiten und gehen gleichzeitig besonders verantwortungsvoll mit wertvollen Ressourcen um.
Nahezu alle Holzarten lassen sich hierzu verwenden. Entscheidend sind jedoch stets die Struktur des Holzes, seine Festigkeit und die Art, wie sich der Stamm bearbeiten lässt. Besonders gefragt sind Hölzer mit ausdrucksstarker Maserung wie Eiche, Nussbaum, Ahorn, Kirschbaum oder Esche. Sie entfalten als Furnier ihre ganze Eleganz und lassen sich gestalterisch hervorragend einsetzen. Ein weiterer Vorteil liegt in der Formstabilität – kein Verziehen oder Verbiegen. Hochwertige furnierte Bauteile reagieren oftmals gleichmäßiger auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen als massive Konstruktionen. Das eröffnet insbesondere bei großflächigen Fronten oder hochwertigen Einbauten interessante Möglichkeiten. Zudem ist auch die Auswahl der direkt lieferbaren Arten sehr hoch und damit eine schnelle Lieferung möglich.
Hinzu kommt die enorme Vielfalt. Durch unterschiedliche Schnittrichtungen entstehen völlig verschiedene Maserungsbilder – von ruhig und gleichmäßig bis lebhaft und markant. So lässt sich jedes Möbelstück ganz individuell gestalten!
Wir verbinden das Beste aus zwei Welten: die Erfahrung des traditionellen Handwerks und die Möglichkeiten moderner Gestaltung! – Ihre Schreinerei Mathy
Häufig gestellte Fragen
Warum erleben traditionelle Handwerkstechniken gerade Auftrieb?
Traditionelle Handwerkstechniken erleben Auftrieb, weil viele Menschen Beständigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit suchen. Stephan Lay betont die Wertschätzung für Präzision, hochwertige Materialien und langlebige Möbel, die repariert und weitergegeben werden können. Das Schreinerhandwerk setzt damit bewusst ein Gegenmodell zu Masse, Mainstream und Wegwerfmentalität.
Was können moderne Möbelhersteller vom klassischen Schreinerhandwerk lernen?
Vor allem den stärkeren Fokus auf Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Liebe zum Detail statt auf kurzfristige Trends und industrielle Massenfertigung.
Warum gelten Echtholz-Furniere als nachhaltig?
Echtholz-Furniere gelten als nachhaltig, weil aus einem Baum deutlich mehr hochwertige Oberflächen gewonnen werden als bei massiver Verarbeitung. Das spart wertvolle Hölzer und nutzt Ressourcen effizient. Gleichzeitig bleiben Maserung, Farbe und die natürliche Ausstrahlung des Holzes vollständig erhalten.
Welche Holzarten nutzt die Schreinerei Mathy besonders gern?
Die Schreinerei Mathy arbeitet besonders gern mit Eiche, Nussbaum, Esche, Ahorn und Kirschbaum. Diese Hölzer gelten seit Jahrhunderten als bewährt, weil sie stabil, schön und gut zu verarbeiten sind. Ihre Maserung, ihr Farbton und ihre Reaktion auf Licht geben jedem Möbelstück einen eigenen Charakter.
Was macht furnierte Möbel so formstabil?
Furnierte Möbel sind oft formstabiler, weil sie weniger auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen reagieren als massive Konstruktionen. Die dünne Echtholzschicht sitzt auf einer geeigneten Trägerplatte und verzieht sich dadurch seltener. Das ist besonders bei großen Fronten und hochwertigen Einbauten ein Vorteil.
Stephan Lay
Geschäftsführer Schreinerei MathyKurzbeschreibung über Stephan Lay
Stephan Lay ist Inhaber der Schreinerei Mathy GmbH in Waldesch und führt das Traditionsunternehmen seit 2025. Als erfahrener Schreiner verbindet er präzises Handwerk mit moderner Planung, individuellen Möbel- und Raumkonzepten sowie innovativen Smart-Home-Lösungen. Sein Fokus liegt auf Qualität, Nachhaltigkeit, persönlicher Beratung und maßgeschneiderten Lösungen.
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