Rösterei
Der Kaffee-Sommelier
Raritätenkaffee · Kaffee-Sommelier · Barrel Aged Kaffee
Entlebucherstrasse 1
6112 Doppleschwand
1 Kundenbewertung, 5.0/5.0
Doppleschwand. Wer beim Innerschweizer Klassiker Kafi Luz an ein dünnes, hellbraunes Getränk aus der Thermoskanne denkt, das mit billigem Alkohol gestreckt wurde, hat die Rechnung ohne Willy Zemp gemacht. In seiner Manufaktur im luzernischen Doppleschwand inszeniert der Kaffee-Sommelier und Röster eine sensorische Renaissance. Zemp befreit den traditionellen Schnaps-Kaffee aus der verstaubten Folklorismus-Ecke und hebt das historische „Entlebucher Schwarze“ auf ein neues, edles Niveau.
„Viele Menschen verbinden den Kafi Luz heute mit einer hellbraunen Mischung, oft sogar aus löslichem Kaffee. Historisch betrachtet war die Kaffeekultur in unserer Region jedoch deutlich älter und komplexer“, erklärt Willy Zemp. Seine tiefen Recherchen in historischen Quellen zeichnen ein völlig neues Bild: Bereits im 18. Jahrhundert hatte sich der Kaffee in weiten Teilen des Kantons Luzern fest als Frühstücksgetränk etabliert. Das ging so weit, dass die Luzerner Obrigkeit um das Jahr 1770 herum aktiv versuchte, den Kaffeekonsum der Landbevölkerung per Dekret einzuschränken. Ein solches Verbot erlässt eine Regierung nicht für ein Produkt, das niemand konsumiert – Kaffee war also längst ein fester Teil des Lebens vor Ort.
Im harten bäuerlichen Alltag des Entlebuchs erfüllte das Urgetränk, das geschichtlich als „Entlebucher Schwarzes“ bekannt ist, gleich mehrere Funktionen auf einmal:
Zemp räumt mit dem Mythos auf, das Original sei von jeher dünn gewesen: „Das ursprüngliche Entlebucher Schwarze war kein wässriges Getränk, sondern ein kräftig aufgebrühter Kaffee, kombiniert mit einem hochprozentigen Edelbrand aus bäuerlicher Eigenproduktion.“
Erst die Krisen- und Kriegsjahre des 20. Jahrhunderts veränderten die Rezeptur schrittweise. Da Kaffee zeitweise teuer und knapp wurde und neue gesetzliche Regelungen sowie Steuern die wirtschaftlichen Bedingungen für Spirituosen veränderten, suchten Gastronomie und Haushalte nach sparsameren Lösungen. So entstanden schwächere Kaffeezubereitungen und geringere Alkoholmengen – die Geburtsstunde des heutigen, oft dünnen Kafi-Luz-Verständnisses, das Zemp eher als späte, vereinfachte Entwicklung einer eigentlich viel komplexeren Kultur sieht.
Ein schlechter Kaffee mit Alkohol brennt im Hals und übertönt jede feine Nuance. Für den gelernten Winzer und Sommelier Zemp ist das ein klares Zeichen fehlender Balance. „Wenn der Alkohol dominiert, gehen die feinen Eigenschaften verloren. Ein grosses Entlebucher Schwarzes muss dieselben Anforderungen erfüllen wie ein grosser Wein oder ein edler Digestif: Keine Komponente darf die andere übertönen.“
Die berühmte Innerschweizer Faustregel, nach der man die Zeitung durch das Glas lesen können muss, lehnt der Experte strikt ab. Bereits der historische Name spricht für ihn eine deutliche Sprache: Man sprach schliesslich vom „Entlebucher Schwarzen“ und nicht vom „Entlebucher Braunen“.
„Als Kaffee-Sommelier bezeichne ich einen solchen Kaffee schlicht als zu dünn. Ein hochwertiger Kaffee besitzt Körper, Struktur und Tiefe. Genau diese Eigenschaften gehen verloren, wenn man ihn ertränkt.“ Die perfekte Balance ist für ihn erst dann erreicht, wenn der Übergang zwischen Kaffee und Edelbrand gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Es soll kein nacheinander geschaltetes Geschmackserlebnis von Kaffee und Alkohol sein, sondern eine Verschmelzung. Die Fruchtigkeit des Kaffees – der je nach Herkunft an Beeren, Steinfrüchte oder Zitrusnoten erinnern kann – fungiert dabei als Brücke zum Edelbrand. Der Kaffee gewinnt an Tiefe, das Destillat wirkt weicher und der Gast nimmt genüsslich den nächsten Schluck, um neue Aromen zu entdecken.
Zemp hat zudem eine schlüssige kulturhistorische Arbeitshypothese zum Begriff „Kafi Luz“: Ähnlich wie Reisende einst vom „Türkischen Kaffee“ oder „Wiener Kaffee“ erzählten, nachdem sie diese Kulturen auf Reisen kennenlernten, könnten Auswärtige das Getränk in der Region Luzern entdeckt und daheim vom „Kaffee Luzern“ berichtet haben. Daraus formte sich über die Jahre der Ausdruck „Kafi Luz“ – ein Begriff, der für eine eigenständige Kultur steht und ganz sicher keinen Kaffee verdient, durch den man Zeitung lesen kann.
In seiner Rösterei in Doppleschwand betreibt Willy Zemp eine Kaffee-Werkstatt, in der er diese Legenden und historischen Fakten hautnah zelebriert. „Kultur bleibt nur lebendig, wenn man sie versteht, wertschätzt und weiterträgt“, betont er. Unsere Ess- und Trinkkultur erzählt oft mehr über die Menschen einer Region als jedes Geschichtsbuch. Während Italien den Espresso religiös verteidigt, Wien seine Kaffeehauskultur feiert und man in Istanbul die Tradition des osmanischen Kaffees pflegt, drohte die Innerschweiz ihr eigenes Erbe fast zu vergessen.
Zemp sieht sich als Vermittler zwischen den Epochen. Er will die Vergangenheit nicht im Museum unter Glas konservieren, sondern sie mit den besten Rohstoffen der Gegenwart neu interpretieren.
Seine Kreativität treibt dabei Blüten, die weit über das klassische Rezept hinausgehen: Aus seiner Erfahrung im Weinbau weiss er, dass grosse Genussmittel von Harmonie leben. Deshalb experimentiert er mit cross-medialen Genüssen und braute unter anderem ein exklusives „Coffee Ale“. Hierbei ging es ihm nicht darum, Bier einfach nach Kaffee schmecken zu lassen. Vielmehr tüftelte er daran, welche Kaffeesorte mit welchen Malzen und Hefearomen harmoniert, sodass die Röstaromen spezielle Tiefe erzeugen, ohne schwer zu wirken, und sich die Fruchtnoten gegenseitig verstärken.
Serviert der Röstmeister internationalen Gästen in der Rösterei einen echten Luzerner Kafi, erntet er zuerst grosses Staunen. Viele kennen Schweizer Schokolade oder Käse, aber die wenigsten wissen um diese jahrhundertealte Kaffeetradition der Alpenregion. Sobald Zemp jedoch die historische Tiefe erklärt, verändert sich die Wahrnehmung der Gäste sofort: Aus einem einfachen Mischgetränk wird Kulturgeschichte. Besonders Gäste aus Ländern mit ausgeprägter eigener Kaffeekultur – wie Italien, Österreich oder der Türkei – erkennen sofort die handwerkliche Parallele und es entstehen tiefgründige Gespräche über Identität und Begegnung.
Willy Zemp hat eine klare Vision für diese urtypische Schweizer Spezialität: Er sieht das „Entlebucher Schwarze“ in Zukunft auf den Barkarten der Luxushotels in Zürich, Paris oder Tokio – eingereiht zwischen exklusivem Single Malt, Cognac oder Champagner. Nicht als künstlich aufgeblasener Luxusstempel oder folkloristischer Gag, sondern weil grosse Genussmittel immer so beginnen: Sie besitzen eine starke Herkunft, eine authentische Geschichte und einen unverwechselbaren Charakter, der über Generationen wachsen musste.
„Bevor die Welt das Entlebucher Schwarze entdeckt, müssen wir selbst seinen Wert wiedererkennen. Es wäre schade, wenn zuerst internationale Sommeliers und Spitzenköche über dieses Kulturgut sprechen, bevor wir Innerschweizer wieder lernen, stolz darauf zu sein. Heimat verdient es, erzählt zu werden.“ — Willy Zemp
Wer heute den ersten Schritt machen und Kaffee wieder als echten, tiefen Genuss zelebrieren möchte, findet in Zemps Neuinterpretation des Innerschweizer Klassikers den perfekten Einstieg. Es ist der Beweis, dass ein wahrer Genussmoment direkt vor unserer Haustür liegt. Man muss nur bereit sein, die nächste Tasse mit etwas mehr Aufmerksamkeit zu trinken.
Kafi Luz ist eine traditionelle Innerschweizer Kaffeespezialität, bei der Kaffee mit einem Schnaps oder Edelbrand kombiniert wird. Das Getränk ist besonders mit dem Kanton Luzern und dem Entlebuch verbunden. Historisch war es nicht nur ein Genussmittel, sondern auch Bestandteil des gesellschaftlichen und bäuerlichen Alltags.
Für Kafi Luz wird aufgebrühter Kaffee mit einem geeigneten Edelbrand kombiniert. Entscheidend ist die Balance: Weder der Kaffee noch der Alkohol sollte den Geschmack vollständig dominieren. Ein hochwertiger Kafi Luz besitzt Körper, Wärme und eine harmonische Verbindung zwischen den Fruchtnoten des Kaffees und den Aromen des Destillats.
Traditionell können unterschiedliche Obst- oder Getreidebrände verwendet werden. Entscheidend ist weniger eine einzige vorgeschriebene Spirituose als die geschmackliche Harmonie mit dem Kaffee. Ein hochwertiger Edelbrand sollte die Aromen des Kaffees ergänzen, statt sie durch starke Alkoholschärfe zu überdecken.
Das Entlebucher Schwarze ist eine historische Kaffeespezialität aus dem Entlebuch. Dabei handelte es sich ursprünglich um kräftig aufgebrühten Kaffee, der mit einem hochprozentigen, häufig regional erzeugten Brand kombiniert wurde. Die historische Variante war deutlich kräftiger und aromatischer als viele heute verbreitete, sehr helle Kafi-Luz-Zubereitungen.
Die genaue Entstehung des Namens ist nicht abschließend belegt. Eine mögliche Erklärung lautet, dass Besucher das Getränk in der Region Luzern kennenlernten und später vom „Kaffee Luzern“ oder „Kafi Luz“ sprachen. Der Begriff entwickelte sich dadurch möglicherweise zur Bezeichnung einer eigenständigen regionalen Kaffeekultur.
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