Julia und Roland Kohler: Holztische von Liebwerk: Handgefertigte Designtische mit maximaler Beinfreiheit
In guten wie in schlechten Zeiten – am Tisch trifft man sich. Als Zentrum, Dreh- und Angelpunkt des täglichen Lebens ist ein Tisch nie nur ein Tisch. Somit muss dieser Hauptdarsteller mit tragender Rolle, weitaus mehr können, als nur gut auszusehen. Mit Liebe zum Handwerk und einem feinen Auge für Details widmen sich Julia und Roland Kohler von der Schreinerei Liebwerk in Salem mit großer Leidenschaft ihrem Signature-Piece – dem Tisch. Präsentieren das eigens hierfür entwickelte „beinfrei“ Gestell, vollenden das Ensemble um den Tisch mit Bänken und Sideboards und runden das Ganze ab mit den liebevollen kleinen Dingen für oben drauf – auch Restholz geht nicht verloren.
STILPUNKTE: Weshalb werden in der Schreinerei Liebwerk so leidenschaftlich gerne Tische gebaut – was macht dieses Möbelstück für Sie beide so besonders?
Roland Kohler: Der Tisch verlangt vom Schreiner ein feines Gespür für das Holz und seine Wirkung. Eine Tischplatte wird gelegt wie ein Bild. Da steckt neben handwerklichem Können auch eine gute Portion Kreativität drin. Und dazu macht es uns Spaß, für unsere Kunden den richtigen Tisch zu gestalten. Denn ein Tisch steht bei den Kunden an einer repräsentativen Stelle – er ist Anlaufstelle für Familie und Freunde. Und damit ist er immer auch ein Prestigeobjekt und die Kunden selbst legen in ihren Tisch viel mehr Herzblut als zum Beispiel in einen Schrank im privaten Rückzugsort.
Julia Kohler: Oft sind unsere Kunden beim Tisch sogar ein bisschen mutiger. Viele entscheiden sich für einen Tisch aus Birne oder Apfel – Hölzern, die man im Möbelhandel eher selten sieht. Bei uns am Bodensee wachsen diese Bäume ja quasi vor der Haustüre, und wie schön ist es, den Baum dann in Form eines Tisches ins Haus zu holen. Auch historisches Altholz ist ein beliebtes Material. Es freut uns jedes Mal, wenn die Kunden besondere Hölzer wählen. Das lässt unser Schreinerherz hüpfen.
STILPUNKTE: Welche Rolle spielt der Tisch im Familienalltag – und warum ist er für Sie mehr als nur ein Möbelstück?
Roland Kohler: Am Tisch findet ein großer Teil des Familienlebens statt. Hier trifft man sich – je nach familiärer Situation zweimal am Tag, vielleicht dreimal. Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Manchmal wird der Tisch für Hausaufgaben genutzt oder fürs Homeoffice. Oder für einen Spieleabend. Für die Geburtstagsfeier mit Freunden … All diesen unterschiedlichen Situationen und Nutzern muss der Tisch gerecht werden. An ihm wird gegessen, gelacht, gefeiert. Ganz klar, dass der Tisch dadurch im Laufe der Jahre Spuren davonträgt. Nicht nur eine schöne Patina, sondern auch Kratzer und Macken – was ihn aber noch schöner macht. Denn all diese Zeichen erzählen eine Geschichte und machen den Tisch zu einem sehr persönlichen Zeitzeugen.
STILPUNKTE: Wenn ein Liebwerk-Tisch erzählen könnte, was er alles erlebt hat – welche Geschichten kämen da wohl zusammen?
Julia Kohler: Ganz viele Geschichten, die das Leben schreibt. Wenn ich mir selbst überlege, was Roland und ich am Tisch schon alle besprochen haben, wovon wir geträumt haben, worüber wir geweint haben.
Wir bieten für Kunden mit Massivholztischen – egal, ob von uns oder nicht – eine professionelle Ölmassage für den Tisch an. Nach der Zeit wird die geölte Oberfläche ein bisschen stumpf und der Schutzfilm lässt ein wenig nach. Mit unserem Refresh sieht der Tisch dann wieder aus wie neu. Eine Kundin wollte unbedingt, dass eine bestimmte Macke im Tisch bei der Ölmassage erhalten bleibt. Wir schleifen die Tischfläche an und mussten in dem Fall bei der besagten Macke sehr vorsichtig sein. Die Kundin wusste noch genau, wie die Macke entstanden ist, und wollte die liebgewonnene Erinnerung sichtbar lassen.
STILPUNKTE: Sie fertigen Tische in ganz unterschiedlichen Macharten und Formen – wonach werden bei Liebwerk entschieden, welche Form zu welchem Zuhause passt?
Roland Kohler: Die Entscheidung wird mit den Kunden gemeinsam getroffen. Und tatsächlich kommt es oft vor, dass die Kunden auf der Suche nach einem ganz normalen rechteckigen Tisch am Ende mit einem runden Tisch nach Hause gehen …
Wir wollen immer wissen, wie der Tagesablauf im Alltag der Kunden ist. Wie viele Menschen wohnen im Haushalt? Wie viele essen gemeinsam am Tisch? Wird daran auch gearbeitet? Werden Feste gefeiert? … Diese Fragen helfen dabei, die Größe festzulegen.
Form und Holzart sind natürlich ein Stück weit Geschmackssache. Wir schauen uns aber immer auch den Raum an, in dem der Tisch stehen wird – manches Mal funktioniert ein runder Tisch super, ein anderes Mal gar nicht. Zudem fällt die Wahl der Holzart leichter, wenn wir wissen, auf welchem Boden der Tisch steht, wie die Stühle aussehen, die Wände, die Möbel …
Mit all diesen gesammelten Informationen wissen wir dann ziemlich genau, wie der künftige Tisch aussehen soll. Bevor wir jedoch an die Fertigung gehen, kommen die Kunden zu uns in die Werkstatt und legen mit uns gemeinsam die Tischplatte. Wir haben natürlich schon eine Vorauswahl getroffen, die Kunden können dann aber noch die Dielen herumdrehen oder verschieben. Fast so, als würden sie ihren Tisch selbst bauen. Das ist immer ein richtig toller Moment. Die Kunden fahren dafür sogar von hinter Stuttgart zu uns an den Bodensee – keine Ahnung, drei, vier Stunden Anfahrt. Wenn der Weg zu einem Treffen in der Werkstatt zu weit sein sollte, gibt es auch die Möglichkeit eines Videocalls zur Abstimmung. Allerdings fehlt hier etwas der Kick, der Reiz und das Werkstattfeeling.
STILPUNKTE: Und weshalb ist das Tischgestell mindestens genauso wichtig wie die Platte selbst?
Julia Kohler: Der Tisch und das Gestell werden immer als Ganzes wahrgenommen. Je prominenter der Tisch da steht, desto stärker ist seine Wirkung. Daher ist die Machart des Gestells eine grundlegende optische, eine ästhetische Frage. Weshalb es ratsam ist, den Unterbau auf das Holz, die Form und auch die Kantenausbildung abzustimmen. Ein Tisch mit etwa einer dicken Platte verträgt ein anderes Gestell als ein Tisch mit einer filigranen Kante. Deshalb sollte ein Tisch stets als Gesamtbild geplant werden.
Für uns ist neben der Gestaltung aber auch das Thema Beinfreiheit wichtig. Ein Punkt, den wir ausführlich mit den Kunden besprechen. Ein zentrales Inselgestell schränkt immer die Beinfreiheit ein. Andere Tischbeine sind hinderlich oder störend im Weg, gerade wenn mehrere Personen am Tisch ein bisschen zusammenrücken müssen. Daher ist es für uns super wichtig, den Alltag der Kunden zu kennen – damit der Tisch genau dazu passt.
STILPUNKTE: Erzählen Sie uns bitte von dem Liebwerk ureigenen Tischgestell in reiner Handarbeit – was steckt dahinter?
Roland Kohler: Wir haben ein Tischgestell entwickelt, das die maximale Beinfreiheit bietet und zu allen Tischformen und -größen und auch zu allen Kantenausführungen passt. Es besteht aus vier einzelnen Beinen, die über einen Rahmen an der Unterseite der Tischplatte befestigt sind. Das sorgt für die notwendige Stabilität. Die Tischbeine selbst erinnern an ein Y. Diese Form hat einen entscheidenden Vorteil: Das Tischbein steht nie im Weg herum. Selbst wenn jemand direkt am Y platziert ist, gibt es ausreichend Platz für das Knie. Und gerade wenn eine Bank am Tisch steht, kann man sich super bequem am Tisch entlang einfädeln, ohne bei jedem zweiten Schritt an ein Tischbein zu stoßen.
Außerdem und überhaupt, sieht das Gestell dazu noch richtig gut aus! Die meisten unserer Kunden entscheiden sich für diese Gestellvariante, selbst wenn sie ursprünglich mit einer anderen Idee kamen.
STILPUNKTE: Neben Tischen entstehen bei Liebwerk auch Bänke, Hocker und Stühle – wie entwickeln Sie Sitzmöbel, die zum Tisch passen?
Julia Kohler: Bei Bänken und Hockern ist es recht einfach. Wir verwenden das gleiche Holz – meist sogar vom selben Baum – und übernehmen teilweise auch die Kantenausführung wie beim Tisch. Eine Bank mit Schweizer Kante zum Beispiel sieht ganz anders aus, als eine Bank mit einer „normalen“ 40 mm starken Platte. Und das Beste ist: Unser oben erwähntes Gestell funktioniert ebenfalls als Beine für Bank und Hocker.
Die Stühle zu unseren Tischen bauen wir nicht selbst. Wir haben uns ein erlesenes Sortiment an hochwertigen Stühlen ausgesucht, die wir in unserer Ausstellung kuratieren und die zu uns und unserem Anspruch passten. Wichtig dabei sind uns das Design und die Qualität, der Sitzkomfort und die Herstellung in Europa.
STILPUNKTE: Sideboards, Vitrinen und die berühmte Restholz-Kollektion – wie wird die Tischwelt bei Liebwerk abgerundet?
Roland Kohler: Der Tisch ist unser „Signature-Piece“, er hat es uns einfach angetan. Deshalb achten wir genau darauf, was um ihn herum passiert. Zum Tisch gehören für uns die Sitzmöbel, Sideboards und Vitrinen, und wie der Tisch werden auch diese individuell als Einzelstücke für unsere Kunden gefertigt. Wir lieben es, wenn ein Esszimmer als stimmiges Ensemble gedacht ist. Je nach Raumsituation und Bedarf kann das ein offenes, handwerklich gefertigtes Regal oder eine schön gestaltete Vitrine mit Glaseinsätzen sein. Neulich haben wir für Kunden eine Vitrine mit angedockter Espressobar gebaut. Tisch und Küche waren schon da, und wir durften das passende Möbel entwerfen – eines, das sich wie selbstverständlich in den Bestand einfügt und dennoch als herausragendes Unikat wirken darf.
Und jedes Mal, wenn wir einen Tisch oder ein Möbel bauen, bleibt Holz übrig. Der Abschnitt einer Tischplatte oder einfach ein Stück Holz, das zu klein, zu krumm oder zu marode für das nächste Möbel ist. Aus diesen Stücken entsteht dann unsere Restholz-Kollektion. Das sind Vesperbretter, Glasuntersetzer, Topfuntersetzer, Kerzenhalter, Hirnholzbretter – schöne Accessoires für den Tisch. Die es übrigens auch auf unserem Stilpunkte-Online-Shop zu kaufen gibt.
Uns gefällt der Gedanke, dass wir einen Baum komplett aufbrauchen. Aus dem größten Teil werden Tische und Möbel gebaut, und aus Abschnitten und Reststücken entstehen die Accessoires – eben die kleinen feinen Dinge für oben drauf!
Häufig gestellte Fragen
Was macht das Liebwerk-Gestell mit Y-Beinen besonders?
Das Liebwerk-Gestell bietet maximale Beinfreiheit und passt zu allen Tischformen, Größen und Kantenausführungen. Vier Beine sitzen an einem Rahmen unter der Platte, die Y-Form hält die Beine aus dem Weg. Selbst an einer Bank lässt sich bequem am Tisch entlangrutschen.
Welche Möbel ergänzt Liebwerk neben Tischen noch?
Liebwerk fertigt neben Tischen auch Bänke, Hocker, Sideboards und Vitrinen als Einzelstücke. Für Sitzmöbel wird oft dasselbe Holz verwendet, teils sogar vom selben Baum. Dazu kuratiert das Team Stühle in der Ausstellung, die Design, Qualität, Sitzkomfort und europäische Herstellung verbinden.
Welche Holzarten eignen sich am besten für Esstische und worin liegen die Unterschiede?
Die Wahl der Holzart beeinflusst Optik, Haltbarkeit und Pflegeeigenschaften. Birne und Apfel sind edle, subtile Hölzer mit feinen Maserungen. Im Einzelhandel eher selten zu finden, aber an der Bodensee-Region heimisch.
Wie lange hält ein Esstisch aus Holz und wie wird er richtig gepflegt?
Massivholztische aus hochwertigen Hölzern wie Birne, Apfel oder Altholz können bei richtiger Pflege ein ganzes Leben lang halten. Die regelmäßige Ölbehandlung ist entscheidend: Nach einigen Jahren wird die geölte Oberfläche stumpf und der Schutzfilm wird schwächer. Eine professionelle Ölmassage (ein "Refresh") revitalisiert den Tisch – er sieht dann wieder wie neu aus und behält seine Schutzfunktion.
Welche Sitzmöbel passen optisch zu einem hochwertigen Holztisch?
Die Wahl der Sitzmöbel ist entscheidend für das Gesamtbild. Idealerweise verwenden Sie für Bänke und Hocker das gleiche Holz wie für den Tisch – optimalerweise vom selben Baum – und behalten die Kantenausführung bei. So entsteht ein harmonisches Ensemble. Bei Stühlen ist es wichtiger, auf Design, Sitzkomfort und europäische Herstellung zu achten, als Holzsorte zu matchen. Der Schlüssel: Die Sitzflächenhöhe muss zur Tischhöhe passen, das Material sollte zu Ihrem Raumstil resonieren, und die Qualität muss mit dem Tisch gleichziehen.
Julia und Roland Kohler
Inhaber LiebwerkKurzbeschreibung über Julia und Roland Kohler
Julia Kohler ist ausgebildete Theaterpädagogin und Texterin. Nach mehreren Stationen im Bereich Marketing und Kommunikation, davon 15 Jahre in der Einrichtungsbranche, rockt sie seit 2021 mit Roland die Schreinerei Liebwerk. An der Schnittstelle von Handwerk, Gestaltung und Architekturpsychologie beschäftigt sie sich mit der Wirkung von Räumen auf uns Menschen.
Roland Kohler ist Schreinermeister und seit 2013 selbständig mit seiner Massivholzschreinerei Liebwerk. Im Jahr 2021 vergrößerte er seinen Betrieb um Werkstatt, Ausstellungsraum und eine Handvoll Mitarbeiter. Im gleichen Zuge gab er seine Lehrtätigkeit als Werkstattdozent an der Bildungsakademie in Waldshut auf.
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