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Stilpunkte-Blog: Haus am oberen Berg, Ansicht von der Gartenseite, Nachtaufnahme, Architekt Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun

Architekt Alexander Brenner

Die moderne Generationen-Villa

Leben & Wohnen

30.09.2018

Ein gemeinsames Zuhause für mehrere Generationen

Alle Generationen einer Familie vereint unter einem Dach – dieses doch eher traditionelle Lebenskonzept interpretiert der Architekt Alexander Brenner neu und transformiert die Vorstellung eines dauerhaften Zusammenseins an die modernen Ansprüche der heutigen Zeit. Die ideale Balance aus Nähe und Gemeinsamkeit, aber auch aus gewünschter Distanz und Rückzugsmöglichkeiten für eine eigene Privatsphäre schafft das nachhaltige Konzept des 2007 fertiggestellten „Haus am Oberen Berg“. Die Mehrgenerationen-Villa lässt eine temporäre Integration aller Familienmitglieder zu, wie auch eine individuell angepasste Wohnform in den verschiedenen Lebensphasen.

Stilpunkte-Blog: Haus am oberen Berg, Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun


Seit 1990 realisiert Alexander Brenner Villen, Wohnhäuser, Kunstgalerien und private Kunstsammlungen. Seine Arbeiten erfahren höchste internationale Anerkennung. Renommierte Fachzeitschriften und Buchpublikationen zeichneten Brenners Häuser bereits mehrfach aus. Ende 2016 benannte das Magazin "Häuser" den Stuttgarter als einen der Top 100 Architekten der DACH-Region, das Goethe-Institut wählte ihn unter die Top Ten der deutschen Architekten.

Allen Projekten Brenners gemein ist eine umfassende, integrierte Konzeption. Sie vereint die Planung des Hochbaus, aber auch die räumliche Innengestaltung und beinhaltet jegliche technischen Fachplanungen, wie auch das Licht- und Möbeldesign. Unter detaillierter Berücksichtigung aller Belange eines Raumes entsteht für die Bauherrschaft so ein ganzheitliches und durch und durch detailverliebtes und stimmiges Gefüge.

Kubische Wohnhäuser und Villen mit strahlend weißen, plastisch-geometrischen Fassaden zählen zu den markanten Bauten Alexander Brenners. Ihnen entgegen setzt der Architekt die Entwürfe der zugehörigen Gärten. Mit weichen, fast schon sinnlichen Formen bilden sie einen optischen und zugleich harmonischen Kontrast zu den Hausskulpturen.

Stilpunkte-Blog: Badezimmer, Haus am oberen Berg, Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun

Stilpunkte-Blog: Wohnzimmer mit Blick in die Natur, Haus am oberen Berg, Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun

Design und Funktion im Einklang

„Für uns ist es essenziell, die Wünsche und Träume der Bauherren zu verstehen“, erzählt Brenner. Vor den ersten Entwürfen eines Projektes werden daher intensive Gespräche mit der Bauherrschaft geführt, um letztendlich ein maßgeschneidertes Haus zu erstellen. Scheinbar widersprüchliche Anforderungen lieben der Architekt und seine 15 Mitarbeiter in der Kreativphase insbesondere, da diese das Team häufig zu außergewöhnlichen Lösungen führen. Ein Beispiel hierfür ist der oft geäußerte Wunsch nach einer offenen Küche, die an bestimmten Tagen aber doch vom Wohnraum abgeschlossen sein sollte. Flexible Trennwände und Schiebeelemente erfüllen dann diese Ansprüche. „Da der Entwurf und die Umsetzung der Möbel und Einbauelemente ebenfalls aus unserer Feder stammen, gelingt uns mit scheinbar „unsichtbaren“ Lösungen die Erfüllung auch solcher spezifischer Wünsche“, ergänzt Alexander Brenner.

Die Anforderungen für das Haus am Oberen Berg gingen allerdings weit darüber hinaus. Leitgedanke des Konzeptes war die Etablierung einer neuartigen Mehrgenerationen-Villa. Trotz eines gemeinsamen Lebensraumes für alle Bewohner unterschiedlichen Alters sollte eine größtmögliche Eigenständigkeit für einzelne Familienmitglieder, erwachsene Kindern oder die Großeltern erreicht werden, sowie loftartige Atelierräume zur optional beruflichen Nutzung den Grundriss ergänzen.

Stilpunkte-Blog: Galerie, Haus am oberen Berg, Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun


Die Herausforderung bestand in der Planungsphase somit darin, neben vielfältigen Verbindungsmöglichkeiten der Gemeinschaftsbereiche potenziell abgeschlossene Einheiten zu errichten, die ohne bauliche Eingriffe in bis zu sechs Wohneinheiten umwandelbar sind. Auf der insgesamt ca. 1.400 m² großen Wohn- und Nutzfläche kann heute somit nun auf veränderte Lebens- und Bedarfssituationen reagiert und über die 4 Ebenen der Villa hinweg flexibel angepasste Wohneinheiten abgetrennt werden.

Die außergewöhnliche Architektur dieses Konzeptes begeisterte nicht nur die Auftrag gebende Familie, sondern erntete internationale Beachtung: Das Haus am Oberen Berg wurde in 2009 für den Mies van der Rohe Award nominiert, einen der prestigereichsten und begehrtesten Architekturpreise. In einem wiederkehrenden Turnus von zwei Jahren würdigt die Europäische Union und die Stiftung Mies van der Rohe mit dieser Auszeichnung hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Architektur. Nur selten spricht die Jury diese Ehre Wohnbauten zu. Umso mehr eine weitere Anerkennung der Innovationskraft und der architektonischen Visionen Alexander Brenners.

Stilpunkte-Blog: Aussenbereich, Haus am oberen Berg, Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun


Kunst und Design im Wettbewerb zueinander?

Verschwimmen bei dieser schon vorbildlichen Architektur mit integriertem Innendesign nicht schon die Grenzen zur Kunst? Der Stuttgarter hat dazu eine klare Position: „Für uns ist jede Aufgabe ein Gesamtwerk, in der es keine Grenzen zwischen Architektur, Design und Kunst gibt. Die gestalterische Logik, die Form, aber auch die Nützlichkeit im Alltag sind die Grundelemente, die das Raumkontinuum schaffen. Die entstehenden monochromen Flächen und deren unterschiedliche Texturen und Materialien strukturieren den Raum. So fusionieren die verschiedenen Raumdichten in einem schlüssigen Gesamt(kunst)werk.“ Doch im Gegensatz zu den freien Künsten steht im kreativen Schaffen die Funktionalität an oberster Stelle. „Unser Streben ist es, aus der Funktion heraus, aber auch aus dem Verbergen der Funktion, eine „Schönheit“ zu erschaffen. Dies macht in unseren Augen eine nachhaltige Architektur aus.“

Stilpunkte-Blog: Portraitfoto Alexander Brenner


Dieses Ziel erreicht die Integration der technischen Einrichtungen in die Wandverkleidungen und Möbel. Das Ergebnis: ruhige Oberflächen, die zusätzliche Lagerbereiche verbergen. Alexander Brenner nennt für diese Konzeption einen weiteren Grundgedanken: „Wir schaffen für das tägliche Leben der Bewohner einen klaren Hintergrund und schaffen damit einen Gegensatz zur oft allzu lauten, unruhigen und überfrachteten Alltagswelt.“

Seine Inspiration findet der Architekt im Beobachten der ureigenen Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Menschen. Sie leiten ihn zu den Grundstrukturen seiner Entwürfe. Der Wunsch nach Geschlossenheit und Geborgenheit sowie der zunehmende  Wunsch, sich mit der Natur zu verbinden, prägen das Schaffen Brenners somit markant und machen seine Bauten trotz ihrer klaren Linien so einzigartig gefühlvoll.

Stilpunkte-Blog: Haus am oberen Berg, Nachtaufnahme, Alexander Brenner, Foto: Zooey Braun

 

Text: Stilpunkte Redaktion, sw | Fotos: Zooey Braun

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