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STILPUNKTE-Blog: Modernes Ethno-Ambiente im Wabi-Sabi-Einrichtungsstil

Das Konzept des unperfekten Purismus

Wohnen mit Wabi-Sabi

Leben & Wohnen

18.03.2019

Als ich gebeten werde, etwas über Wabi-Sabi zu schreiben, denke ich zunächst an den scharfen, grünen Rettich-Dip (Wasabi) aus der Sushi-Bar und liege damit völlig falsch. Wabi-Sabi stammt zwar auch aus der japanischen Kultur, meint aber vielmehr eine bestimmte Sichtweise auf die Dinge, … man könnte auch sagen, einen gewissen Stil, sein persönliches Umfeld zu sehen und zu gestalten. Die Wurzeln des Wabi-Sabi liegen im Zen-Buddhismus verankert.

Stilpunkte-Blog: Wabi-Sabi in der Gartengestaltung kultiviert den Verfall mit alltäglichen Gegenständen, die Patina, Bemoosung oder Beschädigungen aufweisen.
 
Auf den ersten Blick interpretiert man die Übersetzung von Wabi-Sabi als etwas Trauriges und wenig Erstrebenswertes („wabi“ für „verlassen“ und „sabi“ im Sinne von „alt sein“). Tatsächlich ist der Begriff im heutigen, von Reizüberflutung, Konsum und Wegwerfmentalität geprägten Industrieland Japan ausgesprochen positiv besetzt. Wabi-Sabi kultiviert die Sichtweise, in alltäglichen, gebrauchten und mit Patina versehenen Dingen Ästhetik und Schönheit zu erkennen und diese wertschätzen zu lernen. Damit befindet sich diese Geisteshaltung in der Nähe zur japanischen Teezeremonie, bei der das Alltagsritual der Teezubereitung stilisiert und zelebriert wird.

Stilpunkte-Blog: Wohnen mit Wabi-Sabi und vereinzelten Einrichtungsgegenständen, die gerne die Patina eines langen Lebens aufweisen dürfen.

Wohnen mit Wabi-Sabi

Die Grundsätze des Wabi-Sabi können sich besonders im persönlichen Wohnumfeld widerspiegeln. Die Denkweise wird oft auch als „unperfekter Purismus“ bezeichnet. Wabi-Sabi als Stilisierung des Verfalls zu deuten, trifft jedoch nur den „sabi“-Aspekt des Konzeptes. So meint Wabi-Sabi durchaus eine Wertschätzung alter Gegenstände insbesondere dann, wenn sie qualitativ hochwertig aus Naturmaterialien gefertigt sind und die Patina eines langen Lebens aufweisen. Der Erhaltungszustand spielt insofern eine untergeordnete Rolle: „Was altert, wird schöner.“ Dazu kommt das „wabi“, dessen Übersetzung „verlassen“ jedoch nicht im Sinne von bedauernswerter Einsamkeit zu verstehen ist, sondern eher mit dem Genuss optischer Leere assoziiert wird. Beispiel: Ein einzelnes, exquisites Solitärmöbel, das vor einer leeren Wand inszeniert wird, kann Wabi-Sabi sein, ein mit Einrichtungs- und Dekoelementen überfrachteter Raum wäre das Gegenteil. In einer Kombination von Purismus und Minimalismus konzentriert Wabi-Sabi den Blick auf das Wesentliche und lässt dabei etwas Neues und Anderes entstehen, das sich als alternatives Lebens- und Wahrnehmungskonzept versteht im Sinne einer Abkehr von seelenlosem Konsum und mit einem starken, durchaus design-orientierten Fokus auf die Natur.

Stilpunkte-Blog: Wabi-Sabi im Wohnumfeld meint verwitterte Wände und Solitärmöbel, die gerne Patina oder Gebrauchsspuren aufweisen dürfen.

Die Beschränkung auf das Wesentliche

Nun erscheint die Sichtweise des Wabi-Sabi nicht Jedem erstrebenswert. Sich von der Vielfalt verabschieden, sich auf das Nötigste beschränken und den Fokus auf die wesentlichen Dinge legen? Das klingt ziemlich asketisch. Allerdings geht es hier nicht um eine bewusst erlebte Einschränkung, sondern eher um die Befreiung von Überflüssigem mit dem Ziel einer entspannten Klarheit. Trennen Sie sich von Dingen, die Ihnen nichts bedeuten. Bringen Sie stattdessen Antiquitäten oder Designerstücke zur Geltung, indem Sie sie als Einzelobjekte in Szene setzen. Kombinieren Sie sparsam mit gemütlichen Kissen, Teppichen, Plaids und Vorhängen aus Naturfasern wie Wolle, Leinen, Jute, etc. aus dem Einrichtungsgeschäft. Geradlinige Schnitte und dezente Muster überfüllen den Raum nicht optisch und wirken trotzdem wohnlich. Mit hochwertig verarbeiteten Materialien kommen Sie dem Gefühl von Wabi-Sabi näher. Handgeformte Keramik, ein Stück verwittertes Treibgut, grobes Korbgeflecht, ein altes Möbelstück aus dem Antiquitätengeschäft oder ein einzelnes Design-Objekt schaffen visuelle Akzente. Für die Farbgebung des Hintergrunds bietet sich die komplette Palette von Naturfarbtönen an. Oder Sie orientieren sich an den aktuellen Trends für Wandgestaltung wie „Used-Look“ oder „Industrial-Look“. Ihr Fachbetrieb berät Sie gerne. Sie werden überrascht sein, was da alles möglich ist.

Stilpunkte-Blog: Wabi-Sabi im Wohnumfeld meint verwitterte Wände und Solitärmöbel, die gerne Patina oder Gebrauchsspuren aufweisen dürfen.

Stilpunkte-Blog: Wabi-Sabi im Wohnumfeld meint verwitterte Wände und Einrichtungsgegenstände, die gerne Patina oder Gebrauchsspuren aufweisen dürfen.
 
 
Text: STILPUNKTE®-Redaktion, ns
 
Fotos:
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Quellen:
https://kunst-aus-japan.de/wabi-sabi-aesthetik/
https://www.qi-concepte.de/fachgebiete/wabi-sabi/
https://www.beautypunk.com/aesthetik-kunde-aus-japan-wabi-sabi/

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